gemeinsames Arbeiten

Befragungsergebnisse Gemeinschaftsbüros

Gemeinsame Arbeitsorte - Vorteile für Mensch & Natur

Ende Januar 2020 startete unsere Befragung zum Thema „Leben und Arbeiten in Darmstadt“, an der sich insgesamt 825 Personen beteiligt haben. Wir danken allen Teilnehmenden sehr herzlich für die Beantwortung unserer Fragen!

Im ersten Teil der Befragung interessierten wir uns dafür, welche Herausforderungen die Panel-Teilnehmenden in der Region wahrnehmen und welche Rolle die Hochschule Darmstadt ihrer Meinung nach dabei spielen kann. Die Ergebnisse zu dieser Fragestellung finden Sie ebenfalls bald auf unserer Website.

Das Ziel des Hauptteils der Befragung war es, einen Einblick in individuelle Bedürfnisse der Teilnehmenden bezüglich ihrer Arbeitsumgebung zu erhalten. Zudem wurde das Konzept eines „Gemeinschaftsbüros“ vorgestellt und erfragt, unter welchen Bedingungen eine solche Umgebung für die Teilnehmenden eine attraktive Alternative zum herkömmlichen Arbeitsplatz darstellen würde. Die Nutzung von Gemeinschaftsbüros hat vielfältige Potenziale: So können durch weniger Pendelverkehr Emissionen eingespart werden, ländlich geprägte Vororte können wirtschaftlich (belebt) werden und Arbeitnehmer*innen profitieren von einer leichteren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatem. Dieser Teil der Befragung richtete sich ausschließlich an Personen, die zum Zeitpunkt der Datenerhebung berufstätig waren. Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf diese Teilgruppe der Befragten: 512 Personen.

Teilnehmende

  • 228 Männer
  • 260 Frauen
  • 1 Person: divers
  • 23 Personen: ohne Geschlechtsangabe
  • Altersdurchschnitt: 44 Jahre
  • Altersspanne: 18-70 Jahre

Die aktuelle Arbeitsplatzsituation

Durchschnittlich arbeiteten die Befragten (Stand Februar 2020) an viereinhalb Tagen in der Woche an ihrem Arbeitsort (d.h. in Unternehmen, Organisation, o.Ä.) und knapp die Hälfte aller 512 Befragten bezeichneten sich selbst als Pendler*innen. Der Weg zum Arbeitsort dauerte bei den meisten Befragten (ca. 60%) nicht länger als eine halbe Stunde. Im nachfolgenden Balkendiagramm ist zu erkennen, welche Verkehrsmittel hauptsächlich für den Weg zur Arbeit genutzt wurden, getrennt nach unterschiedlichen Weglängen. Die darunter abgebildeten Kreisdiagramme geben für jede Weglänge den prozentualen Anteil der Befragten an der Gesamtstichprobe an (z.B. bei 54% aller 512 Befragten betrug der Weg zum Arbeitsort bis zu 10 km).

Zwei Drittel der Erwerbstätigen teilten sich ein Büro mit einem bis fünf Kolleg*innen. Jede*r Achte arbeitete hingegen in einem Raum mit mehr als 20 Personen. Die meisten Befragten (63%) waren mit ihrer Büroumgebung grundsätzlich zufrieden. Die akustische Situation am Arbeitsplatz wurde zwar von 19% bemängelt, die Mehrheit (ca. 57%) war jedoch auch diesbezüglich zufrieden. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, mit ihren Möglichkeiten, ungestört arbeiten zu können, zufrieden zu sein. Des Weiteren wollten wir von den Befragten wissen, welche Arbeitsplatzeigenschaften für sie besonders wichtig sind. An erster Stelle stand der Austausch mit Kolleg*innen, gefolgt von der Mitbestimmung über die Raumtemperatur und die Lichtverhältnisse. Weitere wichtige Eigenschaften waren der Schutz von Informationen vor Dritten und ein fester Arbeitsplatz, den niemand sonst nutzt. Lediglich als „teilweise wichtig“ wurde die persönliche Gestaltung des Arbeitsplatzes gesehen.

Arbeiten von zu Hause aus

Unseren Ergebnissen zufolge war das Arbeiten von zu Hause aus - Stand Februar 2020 - nicht der Normalfall. Rund 21% der Befragten antworteten, an einem Tag in der Woche zu Hause zu arbeiten. Nur 12% arbeiteten an zwei oder mehr Tagen im „Home-Office“. Zu den Nutzenden des Home-Office zählten mehrheitlich Akademiker*innen mit höherem Abschluss (z.B. Master, Staatsexamen). Personen mit einem berufsqualifizierenden Abschluss arbeiteten eher seltener von zu Hause aus. Außerdem war zu beobachten, dass die Nutzung des Home-Office mit steigendem Einkommen zunimmt. Ferner wurde das Home-Office eher von Personen genutzt, die weit entfernt von ihrem Arbeitsort wohnten und weitgehend selbst entscheiden konnten, wo und wann sie arbeiten. Die Home-Office-Nutzenden gaben dabei eher an, dass sich ihr Familienleben negativ auf ihr Arbeitsleben auswirkt. Eine mögliche Erklärung für die geringe Home-Office-Nutzung lässt sich aus unseren Daten ableiten: Der Austausch mit Kolleg*innen am Arbeitsplatz wurde von den meisten Befragten als sehr wichtig bewertet und die Arbeit im Home-Office von manchen Nicht-Nutzenden als potenziell hinderlich für diesen Austausch.

Gemeinschaftsbüros für Darmstadt und die Region

In Gemeinschaftsbüros können Menschen in ihrem Wohnort für einen bestimmten Zeitraum flexibel einen Büro-Arbeitsplatz nutzen und individuell ihrer Arbeit nachgehen. Von den 512 Befragten gaben 252 Personen an, dass ihre Arbeitstätigkeit technisch und organisatorisch auch außerhalb ihres Arbeitsortes (in Unternehmen, Organisation, o.Ä.)  ausführbar sei. Hiervon konnten sich wiederum knapp 60% (149 Personen) vorstellen, diese Tätigkeit ganz oder anteilig in ein Gemeinschaftsbüro zu verlagern. Zu dieser Gruppe zählen insbesondere Personen, in deren Haushalt keine oder wenige Kinder leben. Darüber hinaus zeichnete sich eine leichte Tendenz dazu ab, dass bei steigender Anzahl an Haushaltsmitgliedern die Bereitschaft zur Nutzung eines Gemeinschaftsbüros sinkt.

Die 149 Befragten mit Nutzungsinteresse gaben an, dass sie durchschnittlich an zwei Tagen pro Woche im Gemeinschaftsbüro arbeiten würden. Uns hat auch interessiert, wieviel den Befragten diese Möglichkeit wert ist. Während 37% der Befragten nicht bereit waren, eine Nutzungsgebühr für ein Gemeinschaftsbüro zu bezahlen, gaben 21% der Befragten eine grundsätzliche Zahlungsbereitschaft an. Diese lag im Durchschnitt bei 133,52 € im Monat. Pro Tag würden die zahlungsbereiten Befragten durchschnittlich 14,17 € für das Arbeiten in einem Gemeinschaftsbüro aufwenden. Etwas weniger als die Hälfte (42%) der Befragten mit Nutzungsinteresse waren unschlüssig, ob sie einen Geldbetrag für das Gemeinschaftsbüro aufbringen möchten.

Wir wollten von den Befragten auch wissen, welche Vor- und Nachteile ein Gemeinschaftsbüro gegenüber dem Arbeiten von zu Hause aus und gegenüber dem Arbeitsplatz im Unternehmen (o.Ä.) aus ihrer Sicht hätte. Hierbei konnten die Befragten aus einer Liste von Antwortmöglichkeiten auswählen und diese nach persönlicher Relevanz bewerten. In der folgenden Grafik sind die Vor- und Nachteile dargestellt, denen die Befragten durchschnittlich mindestens teilweise zustimmten.

Allgemein kann festgehalten werden: Befragte, denen ein fester Arbeitsplatz wichtig ist, hatten (Stand Februar 2020) eher kein Interesse an der Nutzung von Gemeinschaftsbüros. Wenn durch die Nutzung positive Veränderungen der Arbeitsqualität erwartet werden, steigt hingegen das Interesse an einem Gemeinschaftsbüro.

Um Empfehlungen für eine bedürfnisgerechte Gestaltung von Gemeinschaftsbüros geben zu können, interessierte uns außerdem, welche Wünsche die Befragten an konkrete Eigenschaften haben. Hierzu wählten die Befragten aus einer Liste möglicher Eigenschaften von Gemeinschaftsbüros. Besonders häufig wurde die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gewählt, gefolgt von der sicheren Aufbewahrung von Dokumenten, z.B. in Schließfächern. Die meist gewünschten Eigenschaften sind in der Grafik dargestellt.

Fazit

Insgesamt besteht Interesse am Konzept von Gemeinschaftsbüros. Es ergeben sich jedoch auch Herausforderungen für deren konkrete Ausgestaltung, z.B. die Kommunikation mit Kolleg*innen und Vorgesetzten. Wie die Ergebnisse unserer Befragung in eine mögliche Praxisumsetzung einfließen können, müssen wir im s:ne Projekt nun gemeinsam mit unseren Projektpartnern und weiteren Akteuren in der Region erarbeiten. Hierbei werden wir die vielfältigen Wünsche und Befürchtungen der Teilnehmenden gleichermaßen berücksichtigen. Wir hoffen, dass so neue, dezentrale Arbeitsorte für Bewohnende in der Region entstehen. Das Arbeiten an diesen Orten könnte Pendelwege verkürzen, Emissionen einsparen, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit fördern und ländlich geprägte Vororte beleben. Über die nächsten Schritte halten wir Sie auf unserer Website auf dem Laufenden.

Kontakt

Prof. Dr. Daniel Hanß

Dr. Charis Stoica

Dr. Helena Müller

Die Befragung in der Presse